Ich konnte der
Versuchung
nicht wiederstehen. Allerdings wird dies hier auf absehbare Zeit die einzige Seite auf Deutsch innerhalb dieser
Website sein (Gründe siehe unten - na ja, hat sich mittlerweile -
Stand
März 2006 - auch wieder relativiert. Siehe Rubrik "Zitate").
Deutschland hat viele Facetten ... Über einiges, was
wir uns in den letzten 200 Jahren geleistet haben, breiten wir
-
zumindest an dieser Stelle (aber leider nicht nur) - mal lieber das
Mäntelchen des Schweigens. Nichtsdestotrotz bin ich
gerne
Deutscher und stehe dazu. Hier ist zwar sehr viel faul und
einiges stinkt auch schon (vor allem vom Kopf her - aber das
lässt sich in einer Demokratie ja unblutig ändern),
nichtsdestotrotz haben wir in den letzten 60 Jahren zumindest in
einigen Bereichen Standards geschaffen und uns Verhaltensweisen
angewöhnt, die wir nicht verstecken müssen und die
uns einige
mit Sicherheit nie und nimmer zugetraut
hätten. Ein Beispiel ist unser Grundgesetz,
welches manchmal
allerdings etwas konsequenter im ursprünglichen Geiste
angewandt
und ausgelegt werden könnte ...
Ein anderes Beispiel: Wir sind Weltmeister im
Reservieren von
Pool-Liegen unter
Zuhilfenahme von Handtüchern. Aber ich kann dem werten Leser
versichern: Nicht alle Deutschen machen so etwas - es gibt auch
diejenigen, die ihre Bademäntel nehmen.
Und: Bei unserer
Vorgeschichte können alle froh sein, dass wir es nicht
mit unseren Uniformen tun.
German
Angst
Nicht abgewöhnt haben wir uns - trotz aller Versuche der
Angeln und Sachsen und deren Brüdern und Schwestern aus
Übersee, uns das "Positive Thinking" und "Sorge dich nicht,
Lebe"
beizubringen - die "German Angst"; soll heissen -
hängende Mundwinkel und immer erst mal mit dem Schlimmsten
rechnen. Naja, wir wohnen nunmal nicht in Florida, Kalifornien oder in
den Randgebieten der Sahara, wo
uns die Sonne täglich erneut Synapsen wegbrennt und
für ein
angeblich ständig sonniges Gemüt sorgt.
Dieses "immer mit
dem Schlimmsten rechnen" bedeutet (NAAAAACHDENKEN !!! ) allerdings auch:
- Erst
nachdenken, bevor man etwas tut
- Etwas nicht zu tun, dessen Folgen
man nicht abschätzen kann
- Etwas erst dann zu tun, wenn man halbwegs sicher sein kann,
die Folgen abschätzen zu können
- Nicht allen
gleichlautenden Phrasen
zu glauben, nur weil immer mehr Leute diese dreschen
- oder wie ein EX-Chef sagte: "Man muss nicht über jedes Hölzchen springen, was einem hingehalten wird"
denn genau das
alles hatten wir schon zur Genüge. Auch der
Spruch von Dieter Nuhr: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse
halten" ist im Grunde genommen, eine Schlussfolgerung aus "German
Angst". Es ist nur schade, dass auch immer weniger Deutsche
sich
dessen bewusst sind und entsprechenden Gebrauch davon machen - dann ginge es wesentlich entspannter zu in :D
Sie merken schon: Ich stehe dazu ein "German
Angsthase" (for foreigners/aliens/etc. -> the right translation
means "German Angst-Bunny") zu
sein,
und das nicht erst seit ich einen sehr guten Artikel zu diesem Thema in
der Brigitte (ja auch dort gibt es sehr gute Artikel - den hier
angesprochenen finden Sie in der Ausgabe 3/2006 Seite 132ff. ) gelesen
habe. Und - jetzt mal ehrlich - wie oft ist es noch schlimmer
gekommen, als wir gedacht haben. Eben ! - oft genug. (Merke: Schlimmer
geht immer). Also, solange die
"German Angst" nicht in ein lähmendes Verhalten - "Marke: Ich mach'
getz gar nix mehr - geht ja doch alles schief" - umschlägt,
sollten
wir sie uns nicht vermiesen lassen. Nutzen wir lieber die
positiven Eigenschaften
dieser uns Deutschen unterstellten Wesensart und versuchen es mit Nach-
und Durchdenken. Dazu kann ich nur jeden ermutigen, insbesondere
Teilnehmer und Zuschauer nachmittäglicher TV-Talk- und
-Gerichtsshows, Politiker und Präsidenten (leider ist der, der
es
am
meisten beherzigen müsste gar kein Deutscher - shit happens,
George).
Allerdings sollte man bei allem Nach- und Durchdenken
eine Universalweisheit meines Opas berücksichtigen:
Man kann
auch eine gute [gut gemeinte] Sache übertreiben (O-Ton: "Mer
kaan ooch en
joot Saach üvverdreywe").